THOMAS EDLBACHER
AUTOR · MOTORRADFAHRER · BEOBACHTER

Geschichten passieren sowieso.
Ich schreibe sie nur auf.

Menschen. Begegnungen. Reisen. Und der ganz normale Wahnsinn dazwischen.

Thomas Edlbacher
ÜBER MICH

Erlebt. Beobachtet.
Aufgeschrieben.

Gebürtiger Oberbayer, inzwischen im fränkischen Exil. Beruflich irgendwas mit Sicherheit, privat am liebsten auf zwei Rädern unterwegs – meistens mit einer BMW GS namens Gisela und ausreichend Material für die nächste Geschichte.

SicherheitMotorradfahrerAutor

Ich schreibe über Menschen, Begegnungen, Beziehungen, Motorradreisen und den ganz normalen Wahnsinn dazwischen. Nicht als Ratgeber und nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern direkt, selbstironisch und nah dran.

Mich interessieren die Momente, die hängen bleiben: ein Satz zur falschen Zeit, ein Kaffee nach einer langen Etappe, ein Date mit zu viel Hoffnung oder eine Tour, die anders endet als geplant.

Das Leben liefert genug Geschichten. Man muss nur genau hinsehen – und sich merken, was schiefgegangen ist.

BÜCHER

Geschrieben. Gedruckt.
Nicht immer vernünftig.

50 ist kein Grund zu bleiben

50 ist kein Grund zu bleiben

Manchmal beginnt Bewegung mit einer Entscheidung.

Verkauf beendet
Gisela, die BMW, unterwegs am Meer
UNTERWEGS MIT GISELA

Kein Reiseblog.
Nur Lebenszeichen.

Orte, Begegnungen, Bilder – und gelegentlich völliger Blödsinn.

DIE ECHTE GISELA

Motorrad. Reisegefährtin. Mitschuldige.

Gisela ist meine BMW R1200GS Adventure, Baujahr 2009. Sie hat einen Namen, eine Meinung und inzwischen vermutlich mehr vom Balkan gesehen als manche Reisegruppe.

Wenn wir unterwegs sind, landet hier das, was hängen bleibt. Kein Tagesbericht. Keine Kilometerstatistik. Einfach kurz mitkommen.

Gisela mit Kaffeebecher
LEBENSZEICHEN VON UNTERWEGS

Nicht geplant. Aber geblieben.

Kleine Geschichten, Bilder und Gedanken, die zwischen zwei Etappen hängen geblieben sind.

Hier sammeln sich bald die ersten Lebenszeichen.

Gisela, die Kuh
UND DANN WÄRE DA NOCH …

Gisela, die Kuh.

Die Kommentatorin. Sie erklärt die Welt, wenn Thomas dazu gerade keine vernünftige Erklärung mehr einfällt.

Manche Autoren haben ein Maskottchen.
Ich habe eine Kuh mit Meinung.

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LESEPROBE

Vorwort

Fallschirmspringen ohne Anleitung

Dating mit 50 ist wie Fallschirmspringen.

Du stehst am Rand der offenen Luke. Der Wind pfeift. Unten siehst du … nichts Genaues. Irgendwo da unten soll es schön sein. Vielleicht. Hoffentlich.

Und dann springst du.

Ob der Schirm aufgeht? Keine Ahnung. Ob du sanft landest oder direkt ins Chaos stürzt? Wirst du sehen. Zurück in die Maschine kommst du jedenfalls nicht mehr.

Willkommen in der Welt des Online-Datings mit 50.

Ich bin Thomas. 50 Jahre alt. Single. Und ich habe keine Ahnung, was ich tue.

Das hier ist kein Ratgeber. Ich werde dir nicht erklären, wie du die perfekte Partnerin findest oder den idealen Mann. Ich habe keine Formel. Keine Strategie. Keine fünf Schritte zum Glück.

Was ich habe, sind Geschichten.

Von Dating-Apps, die aussehen wie Kataloge für Menschen. Von Profilen mit Sonnenbrillen und Hunden. Von Chats, die mit einem Herz beginnen und mit Schweigen enden. Von Treffen, bei denen ich dreimal auf die Uhr schaue und mir wünsche, ich hätte nur einen Espresso bestellt.

Und von Momenten, in denen ich dachte: Das könnte was werden.

Mit 50 zu daten ist anders als mit 30.

Du hast keine Zeit mehr für Spielchen. Keine Lust auf Unklarheit. Keine Geduld für Menschen, die nicht wissen, was sie wollen – oder es wissen, aber nicht sagen.

Du hast ein Leben. Einen Job. Vielleicht Kinder. Vielleicht eine Vergangenheit, die gelegentlich ungefragt mit am Tisch sitzt.

Und dann öffnest du eine Dating-App.

Plötzlich bist du wieder Teenager. Unsicher. Hoffnungsvoll. Du swipst. Du matchst. Du schreibst. Du wartest.

Und fragst dich: Ist das wirklich der Weg, wie Menschen sich heute kennenlernen?

Die Antwort ist: Ja. Leider.

Dieses Buch erzählt von den Profilen, Chats und Begegnungen im digitalen Dating-Dschungel. Von Filtern, Emojis und ersten Treffen. Von Menschen, bei denen man schon nach drei Nachrichten aussteigen möchte.

Und von jenen, bei denen irgendwann niemand mehr auf die Uhr schaut.

Es gibt keine Erfolgsgarantie. Keine Hochzeit im Sonnenuntergang. Keine Anleitung, wie du in drei Wochen die Liebe deines Lebens findest.

Nur Geschichten über Menschen, die es trotzdem immer wieder versuchen.

Denn wir alle stehen irgendwann an dieser verdammten Luke.

Manche landen sanft. Manche stürzen ab. Manche hängen irgendwo dazwischen und fragen sich, ob der Schirm überhaupt aufgegangen ist.

Aber wir springen. Immer wieder.

Also: Willkommen an Bord.

Schnall dich an. Oder auch nicht. Macht eh keinen Unterschied.

Wir springen jetzt.

Beeindrucken braucht eine Bühne. Kennenlernen braucht einen Tisch, zwei Menschen und etwas Zeit.

Der Rest zeigt sich.

Spätestens nach dem Espresso.

Nur Kaffee. Sicher.

Kapitel 16 aus Dating mit 50 – Wischen mit Lesebrille

Die sichtbare Vorbereitung auf ein erstes Date ist überschaubar.

Duschen.

Kopf rasieren.

Bart.

Drei Hemden anprobieren.

Das erste wieder anziehen.

Noch einmal in den Spiegel schauen und so tun, als hätte man lediglich geprüft, ob irgendwo Zahnpasta im Gesicht hängt.

Damit könnte die Sache erledigt sein.

Ist sie nicht.

Denn irgendwann fällt der Blick unterhalb des Hemdes.

Nicht sofort.

Zunächst noch ganz beiläufig.

Man steht im Bad, hat sich geduscht und denkt:

Es ist nur Kaffee.

Ein vollkommen harmloses Treffen.

Öffentlicher Ort.

Zwei Getränke.

Danach fährt jeder wieder nach Hause.

Vermutlich.

Dieses vermutlich verändert die gesamte Körperpflege.

Plötzlich steht eine Frage im Raum, die mit Cappuccino nur schwer zu erklären ist:

Muss ich mich noch rasieren?

Nicht im Gesicht.

Dort war die Entscheidung einfach.

Die andere Stelle sollte bei einem Kaffee eigentlich keine Rolle spielen.

Eigentlich.

Trotzdem wird geprüft.

Nicht, weil man etwas erwartet.

Auf keinen Fall.

Man möchte nur für den völlig unwahrscheinlichen Fall vorbereitet sein, dass der Kaffee eine Entwicklung nimmt, die von der Getränkekarte nicht vorgesehen war.

Das ist keine Hoffnung.

Das ist Vorsorge.

Ähnlich wie ein Regenschirm bei leicht bewölktem Himmel.

Man geht nicht davon aus, dass es regnet.

Aber falls doch, möchte man nicht völlig ungeschützt dastehen.

Also steht man unter der Dusche und führt Verhandlungen mit sich selbst. Ganz rasieren?

Nur kürzen?

So lassen?

Was wirkt natürlicher?

Und für wen eigentlich?

Die Antwort lautet offiziell:

Für mich.

Natürlich.

Ich rasiere mich ausschließlich für mein persönliches Wohlbefinden.

Rein zufällig immer dann besonders gründlich, wenn ich später einen Menschen treffe, den ich attraktiv finde.

Selbstfürsorge besitzt ein bemerkenswertes Timing.

Man könnte es lassen.

Das wäre souverän.

Schließlich geht es nur um Kaffee.

Niemand wird beim Betreten des Cafés um eine Ganzkörperkontrolle gebeten.

Die Bedienung bringt keine Checkliste.

Zwei Cappuccino.

Ein Wasser.

Einmal untenrum ordentlich.

Trotzdem möchte man im möglichen Ernstfall nicht erklären müssen, dass mit einer so schnellen Entwicklung organisatorisch nicht gerechnet worden war.

„Tut mir leid. Ich war nur auf Heißgetränk vorbereitet.“

Kein Satz, mit dem man einen gelungenen Abend fortsetzen möchte.

Also rasiert man sich.

Vorsichtshalber.

Dabei entsteht ein erstaunlicher Aufwand für etwas, das nach eigener Aussage ganz sicher nicht passieren wird.

Man wechselt die Klinge.

Arbeitet sorgfältig.

Stellt sich an Stellen vor den Spiegel, für die der Spiegel ursprünglich vermutlich nicht aufgehängt wurde.

Hebt ein Bein.

Senkt es wieder.

Stellt fest, dass Körperpflege mit fünfzig gelegentlich Beweglichkeit verlangt, die im Alltag kaum noch abgefragt wird.

Ein falscher Winkel und aus dem Date wird ein medizinisches Thema.

Auch das wäre ein Gesprächseinstieg.

Nur kein guter.

Frauen dürften ihre eigenen Varianten dieses Vorgangs haben.

Vielleicht gründlicher.

Vielleicht routinierter.

Vielleicht stehen auch sie im Bad und treffen Entscheidungen über Körperstellen, die laut Tagesplanung den gesamten Abend unter Kleidung verbringen werden.

Niemand spricht darüber.

Später sitzen zwei frisch vorbereitete Menschen an einem Tisch und erklären einander, dass sie vollkommen ohne Erwartungen gekommen sind.

Sehr glaubwürdig.

Die Unterwäsche ist das nächste Problem.

Normalerweise nimmt man morgens, was oben im Stapel liegt.

Sauber reicht.

Keine Löcher wäre schön.

Am Tag eines Dates wird plötzlich ausgewählt.

Die bequeme Unterwäsche?

Die gute?

Die sehr gute, die unbequem sitzt, aber so aussieht, als hätte man sein

Leben einschließlich der Textilschublade vollständig unter Kontrolle?

Man zieht eine an.

Schaut.

Zieht eine andere an.

Schaut noch einmal.

Nicht, weil sie jemand sehen wird. Sicher nicht.

Es geht nur um das eigene Gefühl.

Ein Gefühl, das offenbar sehr genaue Ansprüche an Farbe, Schnitt und den Zustand des Gummibunds entwickelt, sobald ein Kaffee mit einer attraktiven Frau bevorsteht.

Alte Unterwäsche besitzt Charakter.

Für ein erstes Date vielleicht zu viel davon.

Der ausgewaschene Favorit ist bequem und zuverlässig.

Er hat viele Jahre treu gedient.

Er muss nicht bei jedem gesellschaftlichen Anlass dabei sein.

Also kommt die gute Unterwäsche zum Einsatz.

Für alle Fälle.

Dieser Satz fällt bei der Vorbereitung häufiger.

Minzbonbons.

Für alle Fälle.

Kondome.

Für alle Fälle.

Frische Bettwäsche.

Für alle Fälle.

Man plant keinen Sex.

Man führt lediglich ein kleines privates Katastrophenschutzprogramm durch.

Besonders interessant ist die Wohnung.

Das Date findet im Café statt.

Nicht zu Hause.

Trotzdem wird vorher aufgeräumt.

Nicht vollständig.

Aber auffällig gründlich für einen Ort, den an diesem Abend angeblich niemand betreten wird.

Das Bett wird gemacht.

Im Bad verschwinden Dinge.

In der Küche wird der Müll herausgebracht.

Man betrachtet das Wohnzimmer und denkt:

Nur falls wir später noch etwas trinken wollen.

Etwas trinken.

Nach dem Kaffee.

Weil Flüssigkeitsversorgung ein wichtiges Thema ist.

Man kauft vielleicht sogar Wein.

Obwohl man allein kaum Wein trinkt.

Nur damit etwas da ist.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass zwei erwachsene Menschen nach einem langen Kaffee plötzlich feststellen, dass Supermärkte geschlossen haben und zu Hause bedauerlicherweise nur Leitungswasser existiert.

Dann noch das Bett.

Frische Bettwäsche wäre übertrieben.

Also wird frische Bettwäsche aufgezogen.

Nicht wegen des Dates.

Sie war ohnehin fällig.

Genau heute.

Reiner Zufall.

Wochenlang hatte dieselbe Bettwäsche ihre Aufgabe zuverlässig erfüllt.

Ausgerechnet am Tag des Kaffees endet ihre Dienstzeit.

Hygiene kennt keine Romantik.

Auch Kondome tauchen plötzlich im Gedächtnis auf.

Sind noch welche da?

Wo?

Noch haltbar?

Eine Frage, die man im normalen Alltag selten morgens beim Zähneputzen stellt.

Nun wird nachgesehen.

Nicht aus Erwartung.

Aus Verantwortungsbewusstsein.

Vielleicht liegen sie seit einer Zeit im Nachttisch, in der das Handy noch einen anderen Ladeanschluss hatte.

Dann wäre eine Aktualisierung sinnvoll.

Man möchte nicht in einer Situation, die angeblich nicht eintreten wird, plötzlich eine Packung betrachten, deren Haltbarkeitsdatum historische Bedeutung besitzt.

Also werden neue gekauft.

Vielleicht.

Unauffällig.

Als wäre das der Kassiererin nicht vollkommen egal.

Man legt sie zwischen Zahnpasta, Kaffee und Waschmittel, damit der Einkauf nach normalem Haushalt aussieht.

Die Botschaft lautet:

Ich habe ein geregeltes Leben.

Und möglicherweise später Sex.

Aber hauptsächlich brauche ich Waschmittel.

Danach fährt man zum Date.

Frisch geduscht.

Rasiert.

In ausgewählter Unterwäsche.

Mit aufgeräumter Wohnung, frischer Bettwäsche und einer Ausstattung, die für einen mehrtägigen Stromausfall reichen würde. Und sagt:

„Ich habe heute überhaupt keine Erwartungen.“ Stimmt vielleicht sogar.

Vorbereitung ist nicht dasselbe wie Erwartung.

Man kann etwas für möglich halten, ohne es zu verlangen.

Man kann hoffen, ohne einen Ablauf zu planen.

Man kann neugierig sein und trotzdem akzeptieren, dass der Abend nach einem Espresso endet.

Genau darin liegt der Unterschied.

Frische Unterwäsche ist kein Vertrag.

Eine Rasur keine Einladung.

Kondome im Nachttisch keine Zusage.

Und ein freier Abend endet nicht automatisch im Bett, nur weil sich beide vorher gründlich gewaschen haben.

Menschen dürfen vorbereitet sein und trotzdem Nein sagen.

Auch nach einem Kuss.

Auch in der Wohnung.

Auch ohne nachvollziehbare Begründung.

Die Vorbereitung gehört zunächst nur dem Menschen selbst. Sie sagt:

Vielleicht könnte etwas passieren.

Nicht:

Es muss.

Das klingt selbstverständlich.

Ist es leider nicht immer.

Manche interpretieren ein freches Gespräch, einen kurzen Rock, einen Besuch in der Wohnung oder die Tatsache, dass jemand Kondome besitzt, als vorherige Genehmigung.

Ist es nicht.

Eine ordentlich rasierte Körperstelle führt kein Eigenleben und gibt keine Einwilligungserklärung ab.

Sie ist nur ordentlich rasiert.

Mehr nicht.

Der eigentliche Witz liegt ohnehin darin, dass der gesamte Aufwand meistens unsichtbar bleibt.

Man sitzt zwei Stunden im Café.

Redet.

Lacht.

Vielleicht stimmt die Chemie.

Vielleicht nicht.

Dann verabschiedet man sich draußen. Eine kurze Umarmung. „Komm gut nach Hause.“ Das war es.

Niemand erfährt von der Rasur.

Niemand sieht die ausgewählte Unterwäsche.

Die frische Bettwäsche verbringt den Abend allein.

Die Kondome bleiben unangetastet.

Der Wein steht im Kühlschrank und wartet auf eine Aufgabe, die ihm nie offiziell erteilt wurde.

Man fährt nach Hause und stellt fest:

Der Aufwand war unnötig.

War er das?

Vielleicht nicht.

Man hat sich gut gefühlt.

Gepflegt.

Bereit.

Nicht nur für Sex.

Für Nähe.

Für die Möglichkeit, dass ein Abend anders endet als geplant.

Vorbereitung kann Sicherheit geben.

Man fühlt sich wohler, wenn man weiß, dass nichts völlig aus dem Ruder geraten würde, sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten.

Ähnlich wie beim Aufräumen, bevor Besuch kommt.

Niemand überprüft die Besteckschublade.

Trotzdem ist es beruhigend, wenn sie nicht aussieht, als hätte dort ein kleiner Krieg stattgefunden.

Manchmal passiert tatsächlich mehr.

Aus einem Kaffee wird ein Spaziergang.

Aus dem Spaziergang ein weiterer Drink. Aus dem Drink die Frage: „Wollen wir noch zu mir?“ Oder zu dir.

Dann erinnert man sich kurz an die Entscheidungen im Badezimmer und ist dem eigenen vorsorglichen Optimismus nicht mehr ganz so böse.

Die frische Unterwäsche bekommt doch noch einen Auftritt.

Vielleicht nur für wenige Sekunden.

Dafür war sie ungewöhnlich lange ausgewählt worden.

Auch die Rasur erfüllt ihren Zweck.

Welchen genau, bleibt offen.

Oft bemerkt der andere vermutlich nicht einmal, wie viel Planung in diesem scheinbar natürlichen Zustand steckt.

Das ist bei Dates generell so.

Beide versuchen, möglichst selbstverständlich zu wirken.

Dabei wurde vorher geduscht, rasiert, ausgewählt, aufgeräumt, eingekauft und möglicherweise das Bett neu bezogen.

Natürlichkeit ist harte Arbeit.

Aber selbst wenn nichts passiert, bleibt die heimliche Vorbereitung interessant.

Sie verrät mehr als die offiziellen Sätze.

„Nur Kaffee.“

„Ganz entspannt.“

„Ohne Erwartungen.“

Alles richtig.

Und trotzdem steht im Kühlschrank Wein.

Das Bett ist frisch bezogen.

Die Unterwäsche wurde sorgfältiger ausgewählt als der Treffpunkt. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass man fest mit Sex rechnet.

Vielleicht möchte man einfach nicht unvorbereitet sein, falls Nähe entsteht.

Nicht zwangsläufig die vollständige Nähe.

Vielleicht nur ein Kuss.

Eine Berührung.

Der Moment, in dem jemand etwas länger bleibt.

Man bereitet sich körperlich auf etwas vor, das emotional noch völlig offen ist.

Das ist widersprüchlich.

Aber menschlich.

Mit fünfzig ist man nicht abgeklärt genug, um solche Dinge nicht mehr zu tun.

Man ist nur erfahren genug, um sie anschließend vernünftig zu begründen.

Körperpflege.

Saubere Wäsche.

Ordnung in der Wohnung.

Verantwortungsbewusstsein.

Alles sehr erwachsen.

Dass man beim Rasieren kurz darüber nachgedacht hat, wie der Abend enden könnte, wird nicht erwähnt.

Man erwartet schließlich nichts.

Man wäre nur bereit.

Für Kaffee.

Sicher.

Weiter geht’s im Buch.
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